Accountverkäufe und teure Unkenntnis

Man hört immer wieder, dass Topcharaktere eines Servers für sehr sehr viel Geld angeboten werden, und das erstaunliche dabei ist, dass die Spieler diese Summen bieten. Dabei geht es durchaus um vierstellige Eurobeträge. Um so verwunderlicher ist es dagegen, dass die meisten Spieler gar nicht wissen, dass sie das Geld zum Fenster hinausschmeißen. Egal wie viel Zeit vorgegangen ist, egal wie viel Geld gezahlt wurde, der Account bleibt immer im Besitz des Erstbesitzers und er kann sich diesen jederzeit wieder aneignen und ihr habt das Geld zum Fenster rausgeworfen, glaubt ihr nicht?

Dann mal zuerst ein Auszug aus den Benutzerregeln von WoW, nachzulesen im Einloginterface.
Diese müssen darüber hinaus bei jedem Patch neu bestätigt werden.
Man sollte also davon ausgehen, dass sie jeder User nach ca 20 Patches auch 20 mal aufmerksam gelesen hat und deshalb deren Inhalt im Schlaf runterbeten können müsste. Doch die Realität sieht anders aus, viele Nutzer bestätigen diese einfach ohne sie zu lesen. Dies ist ja auch kein Wunder bei mehreren Seiten langweiligem und komplizierten Text. Im normalen Spiel hat man durch das Nichtlesen keinerlei Nachteile, sobald man aber etwas wegen Unkenntnis tut, was gegen die Benutzerregeln verstößt, kommt in Teufelsküche.
Ein Punkt sind Accountverkäufe. Diese sind eigentlich ohne Ausnahme in den Benutzerregeln verboten.

„Blizzard Entertainment erkennt die Übertragung von Accounts an Dritte nicht an und jegliche zugelassene Weitergabe der World of Warcraft-Software, hat eine permanente Löschung des zur Software zugehörigen Accounts zur Folge. Es ist Ihnen nicht erlaubt, einen Account zum Kauf oder Handeln anzubieten. Eine solche Handlung: (i) stellt eine Verletzung dieser Vereinbarung dar; (ii) kann die Sperrung oder Löschung des Account zur Folge haben; (iii) kann gegenüber Blizzard Entertainment nicht angefochten werden.“

Und trotzdem gibt es sie und Blizzard ist scheinbar machtlos demgegenüber. Ob privat an einen Freund, über professionelle Firmen meist aus ostasiatischen Ländern oder über Auktionsplattformen. Selbst milliardenschwere Branchenführer unterbinden diese Geschäfte nicht. Es hat sich sogar eine eigene Werbeindustrie aufgebaut, die sich auf Werbung für Spielgold spezialisiert hat. Diese ist teilweise so groß geworden, dass sie die normale, legale Spielewerbung verdrängt.
Aber wieso sind Accountverkäufe denn eigentlich zu verurteilen? In vielen Beschreibungen zu Verkäufen wird angegeben, dass hier lediglich die investierte Zeit und keineswegs Spielinhalte zum Verkauf angeboten werden. Damit wird der Verkauf in eine rechtliche Grauzone gebracht.

Das ist eigentlich eine gute Sache. Berufstätige, die am Abend nach Ahn Qiraj gehen wollen, können den Tag über nicht Kräuter farmen gehen oder einen PvP-Twink hochziehen.
Wieso sollen sie also nicht einen arbeitlosen Hartz4Empfänger oder noch besser einem Kind aus der dritten Welt ein Einkommen geben, indem er von ihnen Zeit einkauft, Zeit die diese in WoW vorher investiert haben.
Allerdings sollte man sich klarmachen, dass WoW immer noch ein Spiel ist, was man in seiner Freizeit treibt. Jegliche Verbindung mit Geld, zerstört den Spielspass aller Spieler auf dem Server. Auf der einen Seite der Käufer, dem ein großer Teil des Spaßes verloren geht, indem er Teile des Spiels überspringt.

Man wächst schließlich mit dem Charakter und jeder Käufer, der trotz T2-Equip nach 2 Stunden aus jeder Gilde fliegt, sollte sich fragen ob er nicht lieber erstmal selber den Charakter kennen lernen und hochspielen sollte. Es gibt eben nichts peinlicheres als einen Hexenmeister mit vollem T2, der nicht weiß, was ein Gesundheitsstein ist.

Auf der anderen Seite natürlich die anderen Spieler. Sei es dadurch, dass die professionellen Farmer alle Farmspots besetzen und man als legit Spieler kaum Möglichkeiten mehr zum Farmen hat. Auf der anderen Seite natürlich bringt das ganze die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht. Jedes MMORPG, welches den Spieler fast nur entlohnt, ist einer starken Inflation unterworfen.
Es müssen also immer Werte aus dem Spiel genommen werden. Sei es durch einmalige Events (AQ-Öffnung), Ruffarmen, Reparaturkosten oder Tränke. In diesem Punkt muss man Blizzard ein großes Lob aussprechen, dass sie es geschafft haben eine von allen Spielern akzeptierte relativ stabile Goldwährung zu schaffen.

Ein weiteres Problem ist das Dupen. Wenn man nun Spielgold in echtes Geld umtauschen kann, so ist die Versuchung groß das Spielgold zu vervielfältigen. Man druckt im Prinzip Geldscheine. Echte Geldscheine zu drucken ist natürlich illegal, also versucht man den Weg über Spielgold. Bugausnutzung und Dupen sind die Folge und haben schon so manches Spiel zerstört (Paradebeispiel Diablo2) .
Es gab bereits einige Versuche in WoW zu dupen, zum Glück hat Blizzard dagegen hart durchgegriffen. Solange man aber weiterhin Geld für Spielgold bekommen kann, wird es immer Leute geben, die versuchen Bugs zum eigenen Vorteil auszunutzen. Wenn nun aber einige Spieler sehr viel mehr Items durch das Farmen für Geld in den Wirtschaftskreislauf bringen, so gerät dieses aus dem Gleichgewicht, eigene erreichte Ziele verlieren an Wert. Wozu sollte man ein halbes Jahr für T2 BWL farmen, wenn man dieses auch für ein paar hundert Euro bekommen kann?
Damit hätten wir geklärt wieso Account- und Goldverkäufe gegen echtes Geld für fast alle Beteiligten schädlich sind.
Weiterhin geht Blizzard zwar gegen Verstöße der Benutzerregeln vor, allerdings ist dies nicht wirklich effektiv. Mal wieder eine Auktion geschlossen, mal ein Account gesperrt, doch dies sind eher Tropfen auf den heißen Stein.

Doch ist das wirklich alles? Dadurch, dass das ganze im grauen Bereich abläuft, hat der Käufer eines solchen Accounts Blizzard gegenüber keinerlei Rechte. Blizzard erkennt laut den Benutzerregeln weiterhin nur den Verkäufer als Besitzer des Accounts an. Wenn es nun also zu Problemen kommt, so ist keine Hilfe von Blizzard zu erwarten.
Wenn der Verkäufer sich zum Beispiel entschließt, dass er den Account doch selber wieder benutzen will, so kann er sich ein neues Passwort geben lassen, ein Anruf bei Blizzard genügt und der Käufer schaut in die Röhre.
Ich möchte hier ausdrücklich niemanden auffordern einen verkauften Account sich zurückzuholen. Dies stellt einen Bruch des Verkaufsvertrages zwischen Käufer und Verkäufer da und ist darüber hinaus Betrug und könnte theoretisch strafrechtlich verfolgt werden. Die möglichen Konsequenzen möchte ich in dieser Kolumne gar nicht ausformulieren, da ich gar nicht die juristische Ausbildung habe um diese zu beurteilen.
Deshalb möchte ich nur diskutieren, was mit dem Account in diesem Fall passiert:
Im besten Fall holt sich der Verkäufer den Account wieder und der Käufer steht mit leeren Händen da. Erfährt Blizzard dagegen von dem Accounttransfer, so wird laut Benutzerregeln dieser Account gesperrt und Käufer und Verkäufer stehen beide mit leeren Händen da.
Der Käufer verliert also in jedem Fall den Account.
Es sei jetzt nicht gesagt, dass jeder Accountverkäufer den Account zurückholt und der Großteil ist gewiss ehrlich genug dies zu unterlassen, allerdings besteht die Möglichkeit und damit die Versuchung. Wenn man nun bedenkt wie viel kriminelle Energie schon durch den Accountverkauf vorhanden ist, so ist der Schritt zum Zurücksetzen des Passwortes nur ein kleiner.
Man bedenke man könnte den Account dann ein zweites und drittes Mal verkaufen und den doppelten bzw. dreifachen Geldbetrag bekommen. Wer hätte denn nicht anstatt 500 Euro 1 500 Euro geschenkt?
Und gerade wenn sich Käufer und Verkäufer in der Anonymität des Internets nicht persönlich kennen, sollte man als Accountkäufer nach dem Lesen dieser Kolumne über einiges nachdenken, denn zu retten gibt es nichts. Potentielle zukünftige Käufern dagegen kann man nur einen einzigen Rat geben:
Kauft euch in keinem Fall Accounts oder Gold, ihr könnt dadurch nur verlieren. Ein Accounthandel wie es ihn zurzeit noch gibt, dürfte damit der Vergangenheit angehören, da kein Käufer sich diesem Risiko aussetzen wollen würde.