After The Storm – 2 Wochen nach dem Patch

„Tempus fugit“, so sagt man, und in manchen Bereichen trifft dies auch zu. Gerade mal zwei Wochen ist es her, seitdem der wohl größte Patch seit dem Eröffnen der World of Warcraft veröffentlicht und so ziemlich alles umgekrempelt wurde. In chronologischer Reihenfolge sah das wesentlich chaotischer aus, als es zur Zeit den Anschein hat.

Beginnen wir am Mittwoch vor 2 Wochen: Die Server sind, wie von wenigen anders erwartet, nicht termingerecht online, die Charakterliste lädt nicht und bis in die späten Abendstunden wird das Spielen unmöglich. Doch irgendwann werden die Server hochgefahren und man kann es kaum erwarten, sich endlich einzuloggen. Diejenigen, die im Vorfeld bereits ihren AddOn-Ordner und WTF bereinigt haben, starten in einer Welt, die einen nicht mit einem Haufen Fehlern überhäuft, andere müssen dies erst bitter feststellen.

Denn mit den vielen Neuerungen (v.a. im PVP-Bereich) und den Talentbäumen kommt die große Änderung am Skriptsystem: LUA 5.1 herrscht und jegliche AddOns die nicht für 2.0 geschrieben wurden verweigern ihren Dienst und verursachen Probleme. Und da die Loginserver hoffnungslos überfordert sind, wird es nicht einfacher, kompatible AddOns zu finden und zu testen: Curse-Gaming bietet gerade mal 4 Seiten mit funktionierenden Versionen an. Ein Problem, das sich in den nächsten Tagen langsam bessern soll.

Einhergehend mit diesen Veränderungen sind selbst die „funktionierenden“ AddOns noch nicht gänzlich fehlerfrei. Neben klassischen Fehlermeldungen taucht vor Allem vermehrt eine Nachricht auf, die den Spielern mitteilt, dass „die gewünschte Funktion dem Blizzard-UI vorbehalten“ sei. Unter diesen Bedingungen erscheint es schon merkwürdig, dass manche Spieler nicht einmal Wasser trinken konnten, ohne dass neue Versionen der AddOns dabei Probleme machen, auch Duelle gestalten sich durch das weitverbreitete TitanPanel als schwierig. Welche genauen Zusammenhänge zwischen AddOns und Fehlermeldungen bestehen bleibt -bis heute- vielen Spielern ein Rätsel.

A propos Rätsel: Man findet sich schlechter zurecht als vor dem Patch, so behaupten viele Spieler. Auch wenn es einige WoWler gibt, die der deutschen Komplettlokalisierung mit Freuden entgegen sahen, so scheint die Mehrheit der Community eine so weitgehende Eindeutschung abzulehnen – dies änderte sich auch nicht, nachdem man das Ergebnis sah. So viele unbekannte und dennoch alte Orte! „Wo ist das Eschental?“ oder auch „Wer ist dieser Vandar Sturmlanze?“ tönt es hier und da, das englische Sprachpaket hat Hochkonjunktur. Doch werden sich die Spieler nicht auch daran gewöhnen, wie einst an das Schlingendorntal? Und warum gibt es dermaßen unsinnige Eindeutschungen wie „Ratschet“? Fragen, die sich erst im Laufe der nächsten Wochen klären lassen werden…

Ein paar Tage später: Die AddOn-Datenbanken füllen sich, die Talentpunkte sind vergeben, geändert und nochmals vergeben worden. Und so ziemlich jeder will seine neuen Fähigkeiten testen. Durch die neuen Talente musste die Balance dann Wohl oder Übel leiden und bis zum Erreichen von Level 70 wird sich daran auch nicht viel ändern. Zum Einen, da die Talente eben auf diese Stufe ausgelegt sind, zum Anderen, da viele Dinge noch verbuggt sind; man nehme zum Beispiel den neuen Dämon der Hexenmeister, der aufgrund von fehlender Rüstungsberechnung einen Schaden jenseits von Gut und Böse von sich lässt. Im Gegenzug dazu die Baumform der Druiden: Noch gibt es zu wenige HoTs, als dass sich die Druiden darum reißen würden, unbedingt ein Bäumchen im Raid zu spielen.

Und mit diesen ganzen Änderungen wechselt sich sogar der (momentane) Schwerpunkt des Spiels – durch die Einführung des neuen PVP-Systems sind ein paar Tage nach Veröffentlichung des Patches über 180 Arathibecken in Realmpool 3 offen – eine derartige Menge wurde nicht einmal durch das Zusammenlegen der Server erreicht. Somit erlangen bereits wenige Tage nach dem Patch intensive Spieler die ersten Teile des Sets des obersten Kriegsfürsten: Für Blizzard Anlass, das gewählte System noch einmal zu überarbeiten und es doch „ein wenig“ schwerer zu machen. Trotz dieser Änderung greift die PVP-Seuche um sich! Solange die Schlachtfeldserver ihren Dienst tun -was nicht sehr stabil funktioniert- sind sie mehr als ausgelastet.

Doch wer leidet darunter? Der klassische PVEler. Trotz der Möglichkeit, Ehre nun zu sammeln und nicht mehr „gezwungen“ zu sein, Woche für Woche in Arathi und Co zu verbringen, gibt es immernoch Spieler, denen das PVP nicht gefällt, denn schließlich bietet die WoW wesentlich mehr als mehr oder minder stupides Gehaue in den Battlegrounds. Dass hier zur Zeit eine Art Ungleichgewicht herrscht, sieht man nicht zuletzt auch daran, dass es auch bei großen Gilden dazu kommt, dass Raids unterbelegt sind oder gar nicht erst stattfinden. Böse Zungen könnten fragen, ob das PVP vielleicht ein Platzhalter für den, zum Teil schon komplett abgehandelten PVE-Content sei. Wie gesagt: Böse Zungen. Andere Meinungen gehen in die Richtung, dass die neuen Fähigkeiten und das damit verbundene Aggromanagement die vorhandenen Instanzen so verändert, dass viele Fortschritte von (besonders jüngeren) Raidgilden zunichte gemacht wurden und man diese nun erst wieder erreichen muss – und einige Spieler haben auf PVE-Frust keine Lust.

Jetztzeit: Obgleich dieser wirklich großen Veränderungen gibt es Konstanten in Azeroth: Das Winterhauchfest hat begonnen. Für all diejenigen, denen Weihnachten nicht ausschließlich Stress bedeutet, ist dies ein Grund zum fröhlichen Schneeballschlachten. Umso schöner zu sehen, dass die oftmals angekündigten Serverupgrades an dieser Stelle fruchteten: Wo letztes Jahr noch Lags und Standbilder zu erwarten waren (Orgrimmar, Stormwind), ruckelt es dieses Jahr so gut wie gar nicht. Es bleibt jedoch traurig zu sehen, dass das Fest 1:1 von letztem Jahr übernommen wurde; keine neuen Quests, keine neuen Ideen, keine neuen Items. Und trotzdem freut sich die Community, größtenteils, was die Anzahl der grünen und roten Gnome in den Hauptstädten beweist.

Wie es sich nun bis zum Erscheinen von Burning Crusade weiterentwickelt bleibt abzuwarten – die meisten Interfaces sind wiederhergestellt, AddOns erscheinen täglich und irgendwann hat auch der letzte Spieler sein Kriegsfürstenset erreicht. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die PVEler jubeln und -in BC- auch wieder Leveln werden. Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik…

In diesem Sinne: Frohes Winterhauchfest und -bald- frohe Weihnachten!