I Spy: Der Rausch von Azeroth (3/3)

Geehrtes Gericht, Herr Vorsitzender:

Immersion ist ein zerbrechlich Ding. Es gibt wenig, was man tun kann, um sie zu erreichen. Viele Produktionsdollar gehen für die Gehaltsschecks der Leute drauf, die sich in mühsamer Arbeit zusammenrechnen, was alles eingebaut werden muss, damit man nicht durch virtuelle Ödnis latscht.

Es müssen Charaktere entworfen und gekonnt in Szene gesetzt, Skripte geschrieben und die tatsächliche Welt beobachtet, abstrahiert und reproduziert werden. Und ein falsches Wort eines NPCs kann all das zerstören.

Doch davon abgesehen hat Immersion ein weiteres großes Problem: sie setzt die Bereitschaft des Spielers voraus, sich von ihr einfangen zu lassen. Man spielt aber nicht einen Zauberer, der sich über Jahre hinweg dem Studium mysteriöser Kräfte verschreibt und durch die verfolgten Abenteuer zu einem mächtigen Individuum der Gesellschaft wird, sondern man ist Alli-Arkanmage mit 31/7/3 Skillung.

Man muss auch so nicht spielen, aber der Arkanmage zeigt, dass viele nicht nur durch unsere echte Welt stumpf laufen ohne sich für irgendetwas zu interessieren. Und damit geht ein massiver Anteil der Kunst im Spiel verloren; Kunst, die Außenstehende unsere Spiele als Kulturgut wie Film und Buch sehen lassen könnten.

Weiteres Pro: Freunde von Kulturgut. (Quelle)

Hier der Kern meiner These:

Immersion wäre dabei ein guter Maßstab für den künstlerischen Aspekt in Videospielen. Sie ist nur schwer zu bestimmen, aber so wie die Qualität einer Geschichte daran gemessen werden kann, gilt dies auch für unsere Spiele. Sie kann ein sehr eigenes Merkmal für das Medium sein, wenn es nur mehr Spieler so wollten.

Die Spieler sehen nämlich fern: sie lassen sich berieseln, anstatt ihr Hirn in Anspruch zu nehmen und die Welt zu bewundern, die ihnen gegeben wurde.

Stattdessen prahlen sie über ihre Epics, 47 Mounts und wie sie in ICC gerockt haben und wundern sich dann darüber, dass sie als soziopathische Kellerkinder und Nerds verschrien werden.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass auch viele Onlinespiele sich Mühe geben, uns Immersion zu bieten – aber sie wird wird weder genutzt noch Außenstehenden erklärt. Nur, kaum sind die Mechanismen dazu verschwunden, regt sich alles darüber auf, wie leer die dargestellte Welt doch sei. Heuchelei?

Und ich sehe, wie auch viele andere, Details in diesem Spiel, die an diese Spieler schlichtweg verschwendet werden. Das Problem ist kein spielerisches, denn es würde nicht dadurch gelöst, dass ich auf einen RP-Server wechsle; immerhin stört mich nicht die Spielweise des Anderen.

Es ist ein Problem, wie unsere Spiele wahrgenommen werden. Wir wünschen uns, dass Spiele Kulturgut sind, dass sie Kunst sind, verhalten uns selbst aber so, als seien sie TV-Fastfood.

I’ve been to places you’ll never find

<° makkaal

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