I Spy: „Sex? LOL.“ (1/3)

In der heutigen Ausgabe: Sexismus und Emanzipation. Doch bevor ihr jetzt in aller Hast auf den „Zurück“ Button klickt, lasst mich ausschreiben, worauf ich hinaus will.

Wie in der Einleitung meines letzten Artikels erklärt, versuche ich, die World of Warcraft mit offenen Augen zu begehen, denn: Wenn etwas gut gemacht ist, bemerkt es keiner. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, wenn ich mich darüber aufrege, habe ich es bemerkt und… nun ja.

„Willkommen zur Einführung in die Gaminggeisteswissenschaften…“

Wie auch beim letzten Mal beginne ich mit einer Offenlegung von etwas Persönlichem: Ich liebe starke Frauen. Gemeint sind nicht die Mannsweiber mit Schultern so breit wie die eines Fallschirmjägers. Ich rede von selbstbewussten, frechen, cleveren Frauen, die wissen was sie wollen, ohne sich ihrer weiblichen Reizen bedienen zu müssen um es auch zu bekommen.

Da wir schon dabei sind, hier ein weiterer unglaublich relevanter Einblick in meine Seele: Ich liebe das Ungewöhnliche und Stilbrüche. Sei es ein unvorhergesehener Taktwechsel in einem Song, Naturstein in der Wohnung oder Dreadlocks mit Anzug – selbst wenn es mir nicht gefällt, wird es mich vermutlich durch seinen kreativen Ursprung begeistern.

Und da bekanntlich a²+b²=c² gilt, werden wir nach c² auflösen und kommen auf: Ich liebe weibliche Leitcharaktere im Fantasygenre, die mehr als einen Kettenbikini tragen.

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Literarische Welten sind voll von Figuren die im Gedächtnis bleiben. Gandalf, der „Pate“ Don Vito Carleone, Batman. Es geht unter anderem darum, neben epischen Geschichten auch fesselnde Pro- und Antagonisten zu präsentieren, um das Publikum in ihr Universum zu ziehen und dieses mit einer gehörigen Portion Lebendigkeit zu füllen.

Ein einfaches Gedankenexperiment zeigt schon, dass die Anzahl eigenständiger, sexuell selbstbestimmter weiblicher Figuren gegenüber ihren männlichen Pendants verschwindend gering ist.

Denn sobald man bei der Suche nach großen Charakteren 1. die männlichen ausklammert und 2. alle jene von der Auswahl entfernt, die „typisch“ weibliche Attribute zeigen (wie z.B. Liebe/Emotionalität als hauptsächliche Motivation bzw.  Schwäche oder Zeigen von unnötig viel Haut) wird es in der elementaren Menge ziemlich mau.
Solche, die noch übrig sind, könnten vom Schlag Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter oder die Protagonistin von Portal sein. Gerade letztere ist ein ausgezeichnetes Beispiel, weil sie  beweist, dass das Geschlecht nichts über Charakterstärke aussagen muss.

Ich weiß, das war eine lange Einleitung, bisher sogar ohne WoW Referenz. Aber ihr versteht meinen Gedankengang. Verzaget nicht, nur noch ein ein kleines Ausholmanöver und ich schlage den Bogen zu unserem geliebten Spiel.

In der Soziologie gibt es den Begriff der Gender-Theorie. Sinngemäß besagt diese, dass es einen Unterschied zwischen biologischem (sex) und sozialem Geschlecht (gender) gibt.

Letzteres ergibt sich zumeist aus (erfüllten) Rollen eines Menschen, die ihm aufgrund seines biologischen Geschlechts zugeschrieben werden, sprich beispielsweise Konkurrenz-, Dominanzverhalten und brutale Tränenunterdrückungsmechanik bei Männern und Zierlichkeit, Emotionalität und Rosa-Glitter-Sexiness bei Frauen. Widersprechen sich Verhalten und zugeschriebene Rolle, ist es ein herausragender Fall für die Gender Theorie, denn: sex und gender müssen nicht übereinstimmen.

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Die Kunst, eine starke weibliche Figur zu erstellen, besteht also darin, die Gender-theoretischen Ansätze miteinander zu vermischen. Durch die Vergabe des Geschlechts ist der erste Teil geleistet. Verhält sie sich auch noch selbstbewusst,  notfalls auch entgegen ihrer gender-Erwartungen, hat sie gute Chancen, eine Frau nach meinem Geschmack, ein vernünftiges Frauenbild für Jungs und ein erstrebenswertes Idol für Mädchen zu sein.

Schön und gut, aber worauf will ich hinaus?

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