I Spy: “Sex? LOL.” (2/3)

Teil 2

„Wenn ich hüpf‘, dann flieg‘ ich kurz“

Wie versprochen, der Bogen zu WoW:

Wir nehmen als Fallstudie die Hohepriesterin von Elune und Anführerin der Nachtelfen, nämlich Tyrande Wisperwind.

Wer die Worgenanfangsquests bis zum Ende gespielt hat, weiß, dass diese neue Rasse ihr Exil bei den Nachtelfen findet. Der König von Gilneas wird durch Tyrande persönlich begrüßt, die sich – ihrer Abstammung gemäß – höflich und erhaben gibt. Und während sie noch mit dem hoheitlichen Besuch parliert, vollführt die Hohepriesterin genau das, was mich Nachtelfen und alle, die sie spielen, hassen ließ: Das Würde-wegwerf-Wackeln.

Würde: weggeworfen. Und wieder. Und wieder.

Es handelt sich dabei um die wohl hirnverbrannteste Animation der Onlinerollenspielgeschichte seit dem /dance Emote von Dark Age of Camelot. Die Elfe geht kurz in die Knie, stößt sich bis auf die Zehenspitzen ab und lässt sich wieder ein wenig absacken, nur um das ganze ein paar Mal zu wiederholen, während sie sich grinsend umschaut.

Nur um das Ganze in Kontext zu bringen: Tyrande Wisperwind ist seit 10.000 Jahren neben Malfurion der politische Kopf der Nachtelfen. Sie hat die Zerstörung des Brunnens der Ewigkeit und den daraus resultierenden Riss des Kontinents miterlebt, verbannte ihren Kindheitsfreund Illidan. Sie erfuhr den Krieg gegen die Brennende Legion am eigenen Leib, wurde gefoltert, war Opfer einer Verschwörung und reformierte die gesamte Gesellschaft ihres Volkes.

Und jetzt hält diese Geschichte-schreibende und, obwohl vom Elend gezeichnet, aufrechte Anführerin eines noblen Volkes es für nötig, König Greymane auf ihre wackelnden Elfenmöpse aufmerksam zu machen?!

Aus meiner Gilde weiß ich, dass manche diese Animation als Ausdruck von Nervosität interpretieren, was zunächst sinnig klingt. Immerhin ist die Welt von WoW eine grausame – trotz Neonwäldchen und Spielern, die dank besonderer Items wie Bordelltüren leuchten.

Doch es gibt weitere Hinweise, dass das W-w-Wackeln so gemeint ist wie ich es interpretiere.
Man denke zurück an den ursprünglichen Vanilla-WoW Cinematic, in dem eine einsame Nachtelfe durch die knatschbunten Wälder des Eschentals streift, bevor sie durch das Klirren von Schwertern zum Kampf gegen einen orkischen Kontrahenten beschworen wird, der sich einen gefühlten halben Kontinent entfernt befindet. Ob das an ihrem gottgleichen Gehör oder einem spontanen Anfall von Schizophrenie liegt, darüber ist der Trailer etwas uneindeutig.

Fun Fact: Wenn man ganz nah an den Bildschirm geht und ein bisschen schielt,
sieht man im Hintergrund einen Voyeur im Busch sitzen. (Quelle)

Die erste Szene von unserer ersten Begegnung mit der Rasse und wir sehen förmlich nur Haut. Ein typisches Phänomen im Fantasy und das, was ich oben als den Kettenbikini bezeichnet habe.

Die Frau ist im Wald unterwegs, bei allerlei teils blutrünstigen Geviechs, offenbar im dornigen Unterholz, womöglich scharfkantigen Ruinen, auf Schatzsuche. Dass diese Klamotten kaum suboptimaler für solche Tätigkeiten sein könnten, wird jedem auffallen, der je einen Wald von innen gesehen hat. Sinnvoll? Kein Stück. Etablierung der Nachtelfen als Sexsymbol? Top notch.

Mit einem ähnlichen Problem haben die Blutelfen zu kämpfen. Ich verweise auf das Intro zu Burning Crusade, wo die porträtierte Dame kaum mehr trägt als Stiefel bis zur Mitte des Oberschenkels (die mich unweigerlich an ein Dominaoutfit erinnern – euch etwa nicht?) und einen vorn offenen Rock mit dünnem Lendenschurz, der bei jeder ihrer Bewegungen übertrieben lasziv-offensichtlich zur Seite weht.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Blizzard diese Rasse unter anderem deshalb implementierte, weil sie Spieler mit der elfischen Sexiness zur damals noch unterrepräsentierten Horde locken sollte.

Um diese Beispiele abzuschließen, noch ein Gedankenanstoß: Ist euch aufgefallen, dass in keinem einzigen Cinematic, also der visuellen Werbefront des Spiels, nicht einmal ein weiblicher Charakter der anderen Rassen auch nur einen müden Frame bekommt?

Dachte ich mir. Dabei bieten sich die Worgen doch an: Blizzard, denkt beim nächsten Trailer an die Furry-Demografie, da ist noch Absatz zu machen!

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