Raiden in BC – oder: Warum Casuals noch immer nicht ganz glücklich sind.

Tja, das Raiden war immer schon ein Thema für sich. Und in einer Zeit vor Burning Crusade war es denjenigen vorbehalten, die es schafften, sich einer Gilde anzuschließen, die es gebacken bekam, 40 Leute zu koordinieren, zu strukturieren und Termine so zu legen, dass auch wirklich jeder Zeit hatte. Man weiß, dass dies lange nicht allen Spielern gelang, auch wenn der Geschmolzene Kern von der Schwierigkeit her nicht so immens war, wie es vielleicht schien – vorausgesetzt, es war jeder mit Engagement dabei.

Mit BWL sah es dann schon schlechter aus: Die wenigsten Raidgruppen, die nach MC gingen, führten diesen Weg in den Pechschwingenhort weiter. Und noch weniger gingen nach AQ40. Und wiederum nur ein kleiner Teil von diesen sah Naxxramas jemals von innen. Diese Entwicklung störte nicht nur viele Spieler, die doch zu gerne mal die Nekropole gesehen hätten, aber sich immernoch an Ragnaros die Zähne ausbissen, sondern wohl auch Blizzard. Obwohl man wirklich meinen konnte, dass Blizz den Inhalt dieser wahren High-End-Dungeons nur für ein paar ausgewählte Spieler weltweit designt hätte.

Dennoch: Der Community wurde versprochen, dass mit Burning Crusade alles besser werde. Drei Monate sind seit dem weltweiten Start der ersten Expansion ins Land gezogen, so ziemlich alle Spieler haben lange die neue Maximalstufe erreicht und es stellt sich wieder der alte Trott ein: Instanzen und Ruf farmen und -richtig- Raiden. „Immerhin wird ja alles besser!“ und die Vorfreude auf Karazhan war bei den meisten Spielern wirklich groß. Die ersten Frusterlebnisse sollten aber bereits schon vorher auftauchen. Denn: Wie organisiert man die erste Raidinstanz für 10 Leute, wenn man in einer Gilde zum Beispiel genau 18 interessierte Leute hat. Oder 36. In so ziemlich jeder Gemeinschaft bildete sich daher ein „harter Kern“ heraus, der die Dinge in BC zusammen anpackt, seien es heroische Instanzen oder eben die neuen Raids. Die unmittelbare Folge: Viele Bündnisse sind zerfallen.

Dies mag zum Einen als gut dargestellt werden, da man nun nicht mehr mit 4 oder 5 Spielern raiden muss, die man eigentlich gar nicht mag, welche aber benötigt werden um die 40 voll zu kriegen. Andererseits gab es aber in jedem Raid auch 15 Spieler, die man wirklich mochte; nach welchen Kriterien hat eine solche Auswahl für Karazhan dann stattzufinden? In den meisten Fällen sah dies dann so aus, dass eben diejenigen genommen wurden, die die Prequest als erste beendet hatten. Diejenigen mit weniger Zeit blieben auf der Strecke, obwohl sie eigentlich von BC hätten profitieren sollen (laut Blizzard). Ja, der Casual-Gamer hat es noch immer nicht leicht. Um genau zu sein haben Casual-Gamer weiterhin wirkliches Pech gehabt, in jeder Hinsicht. Klar, die Prequest ist schnell gemacht, man kann einmal nach Karazhan reinschnuppern, insofern das Equip aus den 5er-Instanzen denn stimmt.

Aber jeder muss zugeben: Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen UBRS (frühere 10er) und Karazhan (heutige 10er) – das sind Welten! Ich persönlich spiele in einer nicht allzuschlechten Gruppe mit nicht wirklich idealem Lineup und dort haben wir ernsthaft zu kämpfen, es ist alles andere als leicht. Und das, obwohl jeder jeden kennt, eingespielt ist und seine Klasse gut beherrscht. Sicherlich, es gibt genügend Leute, die Karazhan komplett geleert haben, für BWL-AQ40-Naxx-Erfahrene ist es vermutlich auch nicht so schwer, wie für andere. Aber es geht eben um „die Anderen“. Können Casual-Gamer wirklich nach Karazhan? Ich sage: Ja, aber nicht weit. Attumen ist eventuell noch wirklich leicht, aber spätestens wenn es ohne Paladin zu Moroes geht, kommen bei mir schon starke Zweifel auf. Jeder muss seine Klasse gut beherrschen, gutes Equip besitzen und sollte -zumindest am Anfang und bis zum nächsten Patch 2.1.0- auch ein paar Elixiere mit dabei haben. Wie viele Casuals können das von sich behaupten?

Davon abgesehen, dass man auch als Casual ersteinmal eine Gruppe finden muss, die einen dorthin mitnimmt – denn 10 Gelegenheitsspieler in Karazhan sind bestimmt lustig, wenn sie es denn schaffen alle zur gleichen Zeit online zu sein, aber höchst ineffektiv. Und das ist nur die allererste Instanz, danach folgen die 25er Raids. Zu nennen sei zum Beispiel Gruul, ein so zäher Boss, dass Casuals auch diesen nicht wirklich oft sehen werden. Selbst Raidgilden, die vorher nach MC gingen, beißen sich dort ersteinmal die Zähne aus, liest man doch des öfteren, dass der Tank gebufft seine 16.000 Lebenspunkte haben sollte. Gelegenheitsspieler als Tanks – Fehlanzeige.

Gleiches gilt für die Heilklassen, bei denen von „+1000 Heilung“ gesprochen wird; wer kann das von sich behaupten, wenn er nicht wirklich viel unterwegs ist oder enormes Dropglück hat? Ohne Karazhan zuvor besucht zu haben wird das (zumindest für manche Spieler) wirklich schwer; ob diese Karazhan besuchen können, steht ebenfalls in den Sternen. Und das sind nur die allerersten Raidinstanzen. Klar, Gilden wie die Affenjungs oder Nihilum zeigen, dass man mit nur genügend Einsatz auch schon „The Eye“ besuchen kann, die vierte Instanz für 25 Mannen. „Der Preis dafür ist lediglich deine Seele.“, denn nur die wenigsten Spieler werden überhaupt einmal „The Eye“, „Mount Hyjal“ oder später gar den „Schwarzen Tempel“ sehen.

Die Spirale, die mit Naxxramas im Classic-WoW geendet hat, beginnt von Neuem: Casuals bleiben zum größten Teil auf der Strecke, „normale“ Raider hängen an den ersten Raidinstanzen und nur die wahren Hardcore-Gamer sehen den Highend-Content, der aber irgendwie für alle Spieler am Interessantesten ist. Ich meine: Hyjal! Eine epische Schlacht, vermutlich im Event-Stil! Und Illidan höchstpersönlich! Das sind Inhalte, die jeder Spieler, der auch nur sehr rudimentär mit der Story von Warcraft vertraut ist, sehen möchte. Doch die Chancen darauf bleiben gering. Einige werden jetzt schreien: „Halt! Auch für Casuals gibt es gute Inhalte, was ist z.B. mit den heroischen Dungeons und den Rufbelohnungen?!“ Ja, das ist richtig, ein bisschen was hat Blizzard getan. Aber -so denke ich- auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Mal ganz ehrlich: Würdet ihr eine heroische Instanz mit Randoms besuchen?

In meiner bisherigen Zeit habe ich leider nur 3 Instanzen auf heroisch gespielt. Zum einen die Sklavenunterkünfte, dann Mechanar und die Dampfkammer, jeweils mit „meiner kleinen“ Gruppe von eingespielten Leuten. Selbst in der meiner Meinung nach einfachsten Instanz, Mechanar, bissen wir uns am ersten Boss ersteinmal die Zähne aus, verbrachten knapp 4 Stunden, bis wir vor dem letzten Boss standen. Jeder von uns war gut equipt, kannte den anderen und trotzdem war es sehr zeitaufwendig. Ist dies wirklich ein Spielinhalt für Gelegenheitsspieler? Die einzige Möglichkeit, die also bleibt, ist es, die Instanzen im normalen Modus wieder und wieder und wieder zu spielen um den benötigten Ruf für ein paar epische Belohnungen zu bekommen. Ob es diese bei der Stange hält, sei dahingestellt, von der Dauer dieses Unterfangens einmal abgesehen. Nun mögen wieder einige Spieler argumentieren, dass World of Warcraft nie ein Spiel für Gelegenheitsspieler gewesen ist. Und, auch wenn es mir Leid tut, das zugeben zu müssen, da könnten diese Recht haben.

Prinzipiell wäre daran auch nichts auszusetzen, denn man kann eben nicht mit weniger Aufwand ähnliches erreichen wie jemand, der sein ganzes Herzblut in eine Sache steckt. Was mich jedoch wurmt, ist die Sache, dass Blizzard praktisch versprochen hatte, dass es besser werden würde. Die Casuals, mit denen ich bisher gesprochen habe, waren nicht dieser Meinung und je mehr ich über das Thema nachdenke, desto mehr muss ich sagen: Sie haben Recht. Die Instanzen wurden kleiner, Gilden zerfielen, neue Bündnisse entstanden – der Teilzeitzocker blieb auf der Strecke. Zum Abschluss dieses kleinen Lamentos bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass Blizzard auch hier wieder einiges ausbessern muss, zumindest in Bezug auf die Spieler, die nicht so viel Zeit in WoW investieren können wie andere. Bereits mit dem nächsten Patch, 2.1.0, wird daran gearbeitet, Encounter neu abgestimmt, Farmaufwand verringert. Ob das alles jedoch den gewünschten Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht haben Gelegenheitsspieler wirklich einmal die Chance, große Dinge zu vollbringen; es wäre zumindest wünschenswert.

Von aSak für inWoW