Raidlust oder Raidfrust?

Ich träume… – nun das ist mal ein guter Anfang. Besser als ‚Ich erhoffe mir…‘ oder ‚In einem Zustand geistiger Umnachtung, kam mir der Gedanke…‘; Nein, ich bleibe dabei. – Also, ich träume von besseren Raids. Nicht dass ich mich über meinen Raid beklagen will. Wir sind einigermaßen erfolgreich, kommen – wenn auch langsam – voran, und die meisten von uns sind willens und bereit, für den Erfolg zu kämpfen.

Bessere Raids erhoffe ich mir trotzdem. – Ha, den Anfang doch geändert? Ich meine in jedem Raid gibt es Situationen, die einen frustrieren, sei es, dass man gerade selbst gestorben ist, sei es, dass es einen Wipe gab. Wie geht man damit um? Sucht man die Fehler bei sich, bei anderen, beim Server, beim Encounter? Die Antwort ist unterschiedlich, situationsbedingt. Schlimmer, die Antworten sind subjektiv und an einem Raidtag wird es in verschiedenen Situationen immer wieder auch Diskussionen geben, wenn nicht alles perfekt läuft.

Da werden dann Statistiken ausgewertet, Combatlogs gelesen, um die Antworten zu objektivieren. In den seltensten Fällen kann man mehr als eine Tendenz erkennen. Trotzdem lässt so etwas einige Schlussfolgerungen zu. Welche Spieler sind heute mal wieder mehr AFK, welche habe diese ‚Krankheit‘, ‚Lustlosigkeit‘ öfter, welche sind immer voll da? Auf so etwas sollte man reagieren. Setzt man Spieler auf Ersatz? Hat man einen ausreichenden Spielerpool, um so was durchsetzen zu können? Kann man mit dem Spieler reden, ihn auf seine Fehler hinweisen? Das wäre der Idealfall.

Normalerweise gibt es Situationen, in denen der Raid versagt und man nur schwer mit dem Finger auf Einzelne zeigen kann. Es gibt immer in einem Raid stärkere und schwächere Spieler. Das hat zwar selten was mit Reaktionsvermögen, wohl aber was mit Übersicht und Abstimmung zu tun. Während man Abstimmung trainieren kann – und gute Raids machen das unbewusst ständig – ist Übersicht nur durch Erfahrung zu gewinnen. Soweit die Theorie. In der Praxis möchte man einfach manchmal Leute anschreien, weil sie einen Fehler zum x-ten Mal gemacht haben. Meistens darf man das nicht, weil die Raidleitung was dagegen hat.

Wie ist das überhaupt mit ‚Flames‘. Ist es ein Flame, jemandem zu sagen, ‚Du spielst scheiße heute‘? Darf man einem Spieler nahe legen, den Raid zu verlassen, wenn er doch offensichtlich keinen Bock hat? Kann man einem Kollegen sagen, ‚Reiss dich zusammen, wenn du jetzt noch mal scheiße baust, fliegste raus‘? Als Raidleitung kann man das. Es gibt also – bei allem Stress – ein Ventil für Frustration.

Wenn man aber nicht in der Raidleitung ist, wie geht man dann damit um. Im Sport habe ich gelernt, dass man es auch mal rauslassen kann. Entweder indem man mal kurz seine Frustration raus schreit, z.B. im Fußball ein Solo trippelt, den Ball gegen die Hallenwand hämmert, usf. In den seltensten Sportarten bekommt man dafür eine Verwarnung, und selbst wenn man eine bekommt, so schlimm ist das auch wieder nicht. Ihr seht schon, ich bin da eher der extrovertierte Typ, ich muss es rauslassen und ich brauche auch die Reaktion meiner Mitspieler. Und genau das fehlt mir im Computerspiel. Hier wird man meistens nur ermahnt, doch bitte jetzt still zu sein, sich zu konzentrieren und die Raidleitung machen zu lassen. Auf der einen Seite weiß ich, dass das notwendig ist, schließlich wird aufgrund der Unpersönlichkeit von Computeronlinespielen schnell, härter, rücksichtsloser miteinander umgegangen. Auf der anderen Seite schiebe ich – und da geht es sicher vielen anderen auch so – Frust und finde kein Ventil.

Ich kann mir noch nicht mal ne Flask reinwerfen, mich ordentlich hochpotten, um die einfach mal gescheit Schaden zu machen. Geht nicht, weil ich Heiler bin, im Idealfall fällt mein Job wenig auf, weil er darin besteht, keinen sterben zu lassen. Für mich kein Ventil. Und Mondfeuerspamm? Macht nicht viel her. Das Leben ist eins der härtesten, und ich habe inzwischen festgestellt, dass ich wirklich Schwierigkeiten habe, meinen Frust bei 5 bis 6 Raidabenden noch gescheit zu verarbeiten. Dazu kommen natürlich auch Spannungen, die ich persönlich mit einigen Mitspielern habe.

Trotzdem, es ist besser eine Persönlichkeit mit in den Raid zu bringen, als sich völlig auf eine Rolle (Heiler, DD, Tank) zu konzentrieren. Ich möchte alle auffordern, sich über ihre Motivation, ihre Frustration Gedanken zu machen. Und mir dann mitzuteilen, was sie so dagegen tun.