Randomraid, die zweite

Randomraid, die zweite.

Manch ein Leser mag sich erinnern. Ich hatte kürzlich meine masochistische und geduldige Art am Beispiel meiner Teilnahme am so genannten Failraid (Namen, Server und Gilden verschweige ich aus gutem Grunde!) demonstriert.

Nachdem selbst meine Geduld, und die meiner Gildenfreunde, aufgebraucht war, gab es konstruktive Diskussionen, wie wir mit unserer 25er ID verfahren sollten. Obwohl es, durchaus berechtigte und begründete, Stimmen gab, die eine Freigabe der ID befürworteten („Jeder für sich, Gott für uns alle!“), wurde beschlossen, sich einer neuen 25er Gruppe anzuschließen.

So prüfe wohl, wer sich ewig bindet – Ein sehr kluger Ratschlag, dem wir auch Folge leisteten. Wir haben uns gesammelt angemeldet, der Kalender meldete 24 Stunden vor Raidbeginn glatte 23 Zusagen inklusive aller wichtigen Positionen, insbesondere Tanks und Heiler. Die Stimmung stieg, die Erwartungshaltung ebenso.

Sonntag, 16 Uhr, der Invite kommt, und nur wenige Minuten später ist der Raid auch voll. Möglicherweise wäre es an dieser Stelle sinnvoll gewesen, sich in Bescheidenheit zu üben, statt in Vorfreude. Das TS wurde angesagt, und wir verbunden uns mit diesem. Wie bei vielen gab es hier eine (auf „moderiert“ geschaltete) Lobby, in der wir ausharrten.

Dann, ganz plötzlich, begann das bekannte „Herunterziehen“ in den eigentlichen Raidchannel…

„User was moved out of your Channel“….“User was moved out of your Channel“….“User was moved out of your Channel“….“User was moved out of your Channel“….“User was moved out of your Channel“….“You were moved“….“Player kicked“

Drei Fragezeichen standen auf meinem Gesicht, als ich Alt-Tab drückte, und einen Blick in das TS warf. Der Raidleader, der zuvor mehrere Spieler einschließlich mir selbst nach unten gezogen hatte, war automatisch von seinem eigenen TS-Server gekickt und temporär gebannt worden. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, welch hämische Kommentare im TS fielen.

Nun, fünf Minuten später kam ein „User has joined your Channel“, und eine leicht näselnde, androgyn klingende Stimme begrüßte uns zum Raid. Nachdem auch die Rollen endlich geklärt waren („Nein, eine Eule hat normalerweise KEINE 40000 Leben in Humanoidengestalt“ – „Hmm, bist Du vielleicht doch Tank?“ – „Nein, meine Eule frisst zuviel Zucker“ – „Echt?“ – „Nein. http://de.wikipedia.org/wiki/Ironie“ – „Ah, ok.“), wäre es Zeit gewesen, sich mit dem ersten Trash zu beschäftigen.

An dieser Stelle erklärte die Stimme aus dem Off, dass er/sie (eine genaue Determination war nicht möglich), dass er/sie bereits um 18 Uhr weg müsse, und dass der zweite Druidentank neben mir dann den Raidlead übernehmen würde. Ich dachte an dieser Stelle an die schon fast garantierte Gleichung „Tankspieler = Erwachsene, motivierte und fähige Führungspersönlichkeit“. Aber dazu später mehr.

Nun, über die ersten vier Bosse konnte man wirklich nicht schlechtes sagen. Wenn man davon absieht, dass es offensichtlich immer noch einigen nicht in den Schädel will, dass man übernommene Mitspieler NICHT fokussiert mit Schaden bearbeiten sollte. Und wenn man davon absieht, dass „in Päarchen aufstellen“ lediglich die Fähigkeit, bis zwei zu zählen, voraussetzt und selbst das einigen zu viel ist. Nun, um es kurz zu halten, die ersten 4 lagen, wie geplant, innerhalb von knapp 40 Minuten im Dreck, ohne dass es zu zu vielen Toten kam.

Bis zu diesem Zeitpunkt sah ich es noch relativ entspannt. Nach dem vorherigen Stammraid war ich einiges gewohnt, und konnte dementsprechend geduldig an die Sache heran gehen. Vor Rotface verließ der Raidleader die Gruppe und übergab meinem Tankkollegen die Führung. Dieser hatte bis dahin keinen Mucks von sich gegeben, und in diesem Moment erfuhr ich auch, warum.

Kennt Ihr das Gefühl, dass manche Menschen selbst durch ihre Stimme die PURE Demotivation ausstrahlen können, und dies auch soforetigen Effekt zeigt? Nun, diese Stimme war eindeutig männlich, tief und laaaaaaaaaaangsaaaaaaaaaaaaaaaaam. Scharping lässt grüßen.

Dass einige der Spieler selbst mit einem Minimum an Bewegung überfordert waren, und Einweisung benötigt HÄTTEN (man beachte den Konjunktiv!), tat sein übriges. Ihr könnt es Euch sicher denken: Sowohl für Rotface, als auch Festergut, waren mehrere Versuche nötig. Lustigerweise bei zweiterem mit dem gleichen Manko wie im Raid zuvor („Schatz, das andere Links!“). Aber immerhin, sie lagen. Macht +2 im direkten Vergleich.

Professor Putricide dagegen ging natürlich völlig in die Hose. Es scheint schwierig zu sein, Tab zu drücken. Oder, für die Klicker, kurz gezielt auf eine andere Stelle des Interfaces zu klicken. Da auch noch Farbenblindheit dazu kam („Hmm, ich dachte beim orangenen muss ich stehen bleiben, wenn es mich verfolgt“ – „Nein, das ist das Grüne, da wird man festgefroren“ – „Achso, kommt nicht wieder vor“ – UND WIE ES WIEDER VORKAM!!!!), wurde das Trauerspiel nach wenigen Versuchen abgebrochen.

Die Entscheidung von Herrn Scharping2, doch noch Dreamwalker zu versuchen, kann man, rückblickend, nur als Irrsinn bezeichnen. Voidzones zu beachten, oder sich ganze fünf(!) Gegnerarten in einer bestimmten Reihenfolge einzuprägen, war offensichtlich zu viel. Dass ich während seiner Erklärung nur durch das Aufschlagen meines Kopfes auf dem Schreibtisch wach wurde, mag dazu beigetragen haben.

Nun, ich stehe also wieder vor der alten Frage. Wo finde ich fähige, des Denkens mächtige Mitspieler in ausreichender Zahl um ENDLICH mal einen frustfreien Sonntagsraid zu haben?

Die gleiche Fragen stellen sich einige andere Teilnehmer wohl auch. Die Zahl der sicheren Zusagen für den darauffolgenden Sonntag lag bei vier.