Schnell, schneller, Zul’Aman

Mittwochs scheint auf den ersten Blick immer alles gleich zu sein, der Alltag übermannt einen und geht seinen normalen Tätigkeiten nach. Doch der 14. November war anders. Patch 2.3 wurde auf die Horde respektive Allianz losgelassen und mit diesem ebenfalls eine neue Instanz. Tief im Geisterland wartet das neue Dungeon Zul’Aman auf mutige Spieler. Zul’Jin verteidigt die letzte Feste der Amani mit seiner Trollarmee. Auch wenn er bereits einen Arm und ein Auge verloren hat, ist sein Durst nach Blut immer noch ungestillt.

Ruhe vor dem Sturm

Bereits auf den „Public Test Realms“ (kurz PTR) wurde schon im Vorfeld einiges an Vorarbeit geleistet. Welche Reihenfolge hat man bei den Bosskills zu beachten? Wann startet der Timer? Wann wird die Zeit wieder aufgefrischt und was hat man eigentlich davon? Fragen über Fragen taten sich auf und wurden nur teilweise beantwortet. Trotzdem kennt man nun den Ablauf und weiß was auf einen zukommen wird.

Der Freund eines Freundes meines Freundes hat mal gehört, es soll angeblich Leute geben, die an diesen Mittwoch extra frei gemacht haben von Schule, Arbeit oder ähnlichem. Kaum waren die Server online, scharrten sich jede Menge Avatare um den neuen Teleportstein vor Zul’Aman. Viele sehr gute Gilden hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die ersten zu sein, die Zul’jin legen sobald der Patch live ist. Voll gestopft mit Fläschchen, Tränken und Essen stellt sich das vorbereitete Lineup vor dem großen Gong auf. Tischlein deck dich und Gesundheitsbrunnen werden beschwört. Bis in die Haarspitzen motiviert wird endlich der NPC „Harrison Jones“ angesprochen um die Time-Quest zu starten. Sobald fünf Spieler den Gong anschlagen startet der Spießrutenlauf um neue Gegenstände.

Niagara der Amani

Das Tor öffnet sich, eine Zeit erscheint und Trolle preschen mit lautem Wutgeschrei heran. Schon jetzt tobt der angebliche Raidleader im VT. Die anderen neun Spieler kommentieren trotzdem jeden ihrer Schritte ungewohnt detailiert und das gewohnte Chaos stellt sich schnell ein. Nach den obligatorischen Wipes steht die Gruppe vor dem ersten Boss. Krampfhaft wird im Ventrilo oder TeamSpeak erläutert was, wer, wie, wo zu machen hat. Lücken in der Erklärung und „afk“ gehen eingeschlossen. Abermals werden wegen Missverständnissen, Farmkosten erwirtschaftet. Nachdem jeder Fehler den man irgendwie machen kann, tatkräftig umgesetzt wurde, liegt der Boss endlich im Staub und die Spieler können um Gegenstände rollen. Die Zeit oben ist schon lange verschwunden, als wenn da noch jemand dran gedacht hätte. Einige Zeit später ist die Instanz endlich von jeglichen Bösewichten befreit und sofort werden Kill-Screenshots auf Bosskillers oder einer ähnlichen Seiten hochgeladen um die gesamte WoW-Welt mit einer weiteren unwichtigen Information zu füttern.

Beinahe normal scheint es, dass neue Instanzen von Blizzard am Anfang immer etwas kränkelnd daherkommen. Etwaige Bugs und Exploits ist man schon zu genüge gewöhnt. Der Timer wurde bei bestimmten Bossen nicht richtig aufgefüllt bzw. ging nicht über die 20 Minutenmarke hinaus. Manch Kiste lies sich nicht ordnungsgemäß öffnen und andere konnte man looten ohne im Zeitlimit geblieben zu sein. Da stellt sich die Frage, warum das mit unter begehrteste Item, in diesen Fall ein Bär als Reittier, durch einen Exploit zu erhalten war, wo dieser Patch doch sehr lange in der Testphase frei zugänglich war. Ungefähr zwei Tage war es möglich zu Halazzi (Luchs) zu gehen, diesen zu töten, und mit geschickter Kameraführung in die Vasen zu gucken um den versteckten Beutel zu öffnen. Der Timer war zwar abgelaufen, dem aufgepoppten Lootfenster mitsamt Bär schien dies allerdings gänzlich egal zu sein. Viele Gilden wussten davon und haben sich dies auch zur Nutze gemacht.

Ein Druide mit Bär

Nachdem die gröbsten Fehler behoben wurden, stellt sich dem gemeinen Spieler nun eine Frage. Laut dem Spielehersteller ist Zul’Aman für Gruppen, die Karazhan gut beherrschen. Natürlich schafft eine Tier-4 ausgerüstete Gruppe diese Instanz mit viel Aufwand und Willen. Aber auch mehr als zwei maximal drei Kisten im Zeitlimit zu schaffen scheint doch eher fragwürdig. Gar den Kriegsbär der Amani als Belohnung zu erhalten ist utopisch. Um diesen garantierten Loot in Händen zu halten muss man es bewerkstelligen alle vier Kisten innerhalb der Zeit zu öffnen. Alle die dieses Unterfangen begonnen haben, wissen, dass das extrem schwer ist. Für alle anderen ein kleiner Versuch der Verdeutlichung:

Der Gong wurde geschlagen, 20 Minuten dazu. Auf zu Akil’Zon. Sein Tod schreibt der Gruppe zehn Minuten gut. Dann geht es auf die Rechte Seite zu Nalorak. Sein Dahinraffen gibt diesmal sogar 15 Minuten aufs Konto. Weiter Rechts wartet Jan’Alai und als letztes gegenüber, Halazzi. Die letzten beiden Endgegner geben allerdings nicht eine Sekunde als Zeitbonus. Das heißt im Endeffekt, die Spieler haben 45 Minuten Zeit vier Bosse zu töten, den Trash dazwischen eingeschlossen. Wie schon bereits erwähnt ist es einer nicht sehr gut equipten und eingespielten Gruppe nahezu unmöglich alles in der vorgegebenen Zeit zu schaffen.

Alles im allem ist die neue Instanz eine gelungene Sache. Die Atmosphäre ist schlüssig aber auch facettenreich und bereichert jeden Spieler. Nach einem holprigen Start mit einigen kleinen Bugs, kann beinahe jeder einmal reinschnuppern. Gute Gruppen machen ihre „Speedruns“, auf der Jagd nach dem Bären. Unerfahrene Gruppen gehen es besser langsam an und erkunden vorsichtig alles Neue. Ohne Bär und anderen netten Sachen aus den Kisten gibt es von den Bossen selber, exzellenten Loot auf Tier-5 Niveau.