WoW-For a better Future

Wer kennt das nicht: Man sitzt im Politikunterricht, der Lehrer redet gerade von Beitragsbemessungsgrenzen, Rentenversicherungen und sonstigem belanglosen Zeug, das der Otto-Normal-Schüler nie wieder braucht … die Gedanken schweifen ab, die Augen fallen kurz zu und als man diese wieder öffnet, staunt man nicht schlecht:

Aus dem gelangweilten Schüler ist ein Held in der online Spielewelt von World of Warcraft geworden. Zuerst schaut man ein wenig verdutzt, doch wenn man sich dann einmal ein wenig umgeschaut hat, denkt man sich: „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gerade mal ein wenig leveln.“

Gesagt, getan. Kaum läuft man los, kommt die erste Bestie auch schon auf einen zugestürmt. Schwert gezückt und los geht’s. Während man sich voller Elan durch das Nordshiretal prügelt, trifft man auch auf etwas schwierigere Gegner, die einem schon mal den ein oder anderen Streich zufügen, was man mit einem verstörten „AHHH“ quittiert, jedoch flugs dem nächsten Hieb ausweicht und den gegen über für die Unverfrorenheit mit dem Tode bestraft.

Indes man friedlich auf dem Schultisch ruht und ein unterdrücktes „ahh, stirb“ vor sich hinmurmelt, werden die ersten Schüler neben einem auf dieses doch recht amüsante Bild aufmerksam. Der direkte Nachbar attackiert den schlafenden Online Helden mit Rippenstößen …
Unser Held der Träume, gerade kurz vor Goldshire, ärgert sich über diese unsichtbaren Seitenhiebe und vermutet dahinter einen fiesen Unsichtbarkeitsbug, so dass er kein Monster mehr sehen kann und ihren hieben schutzlos ausgeliefert ist.

In der Taverne zu Goldshire erquestet man sich dann ein gemütliches neues zu Hause, wundert sich ein wenig darüber, dass der Wirt von Rentenformeln redet und ruht sich nach der anstrengenden Reise ein wenig aus, indem man sich mit der Schankmaid vergnügt. So ein Krieger braucht ja schließlich auch mal Abwechslung.

In der Schulrealität wird unser Held also nun dabei bestaunt, wie er den Tisch küsst und Laute von sich gibt über die man lieber nicht weiter nachdenken möchte.

Nun wird langsam auch der Lehrer unruhig … „da ist was im Busch“ denkt er sich, spricht aber ruhig über Rentenerhöhungen weiter und beobachtet die Schüler mit pädagogisch geschultem Auge, kann jedoch von unserem WOW Helden nichts entdecken, da dieser gut abgeschirmt in der letzten Reihe schläft.

Derweil ist unser Held ausgeruht und satt, macht sich also auf zu neuen Abenteuern. Er verlässt Goldshire und streift durch die umstehenden Wälder um noch ein bis zwei Level zu steigen. Jedoch sind die dort anzutreffenden Bestien im Schnitt drei bis vier Level über einem, denn mit kleinem süßen Level sechs kann es dem kleinen WOW Entdecker schon mal passieren, dass einem ein Monster mit Level neun oder zehn über den Weg läuft.
So streift unser Sandmännchen durch die Wälder, und ehe er sich versieht, kommt ein Level 10 Bär auf ihn zugelaufen und macht dem kleinen Krieger ohne mit der Wimper zu zucken den Gar aus.

Erschrocken erwacht unser Held mit den Worten: „WTF?? BIN ICH TOT? OMG!“ und schaut mit laut klopfendem Herzen und noch nicht wieder ganz in der Realität zurück an seinem Lehrer hoch, der den Schüler mit grimmiger Miene mustert. „Wieder mal geträumt, was?!“, schnauzt dieser den armen, schlaftrunkenen Tropf an.

Um ihn herum Gelächter, die Schüler glucksen vor sich hin. Unser WOW Held in Ausbildung schaut erstaunt zum Lehrer auf, der Diablo verdammt ähnlich sieht und fragt sich nur ob er nicht besser Diablo2 hätte spielen sollen … dann wäre er DAS Übel wenigstens schon mal los gewesen.

Es kommt also wie es kommen muss: Strafarbeit zur nächsten Stunde über Renten und andere Biestigkeiten unseres Staates..

.. und was lernen wir daraus? Wenn man schon schlafen will, dann lieber in Religion, denn über Gott und die Welt kann ja schließlich jeder faseln! ;)